Gebrauch des bestimmten Artikels





Der bestimmte Artikel der, die, das wird gewählt, wenn das vom Nomen Bezeichnete „bestimmt“ ist. Mit „bestimmt“ ist gemeint, dass das vom Nomen Bezeichnete sowohl dem Sprecher/Schreiber als auch dem Hörer/Leser bekannt ist, so dass beide es gleich identifizieren.

Im Prinzip steht ein Nomen für eine ganze Klasse von Wesen, Objekten, Zuständen, Handlungen usw. So sind zum Beispiel die Nomen Hund, Tisch, Müdigkeit, Wahl ohne Kontext nicht bestimmt. Sie bezeichnen eine ganze Klasse.

Wenn Nomen im Satzzusammenhang bestimmt sind, stehen sie im Allgemeinen mit dem bestimmten Artikel. Ein Nomen kann in verschiedener Weise bestimmt sein:

Bestimmung durch Einmaligkeit
Bestimmung durch Kontext
Bestimmung durch Vorinformation
Bestimmung durch Generalisierung
Der bestimmte Artikel in festen Wendungen 
Artikel bei Eigennamen

Formen des bestimmten Artikels siehe Flexion.


Bestimmung durch Einmaligkeit

Ein Nomen kann dadurch bestimmt sein, dass das von ihm Bezeichnete etwas Einzigartiges, nur einmal Vorkommendes ist. Diese Einmaligkeit kann „absolut“ oder relativ sein.

„Absolute“ Einmaligkeit:

Wenn ein Nomen etwas bezeichnet, das in der Erlebniswelt von Sprecher und Hörer nur einmal vorkommt, steht es mit dem bestimmten Artikel:

Der Eiger ist ein Berg in der Schweiz.
Der Mond dreht sich um die Erde.
Die Sonne steht hoch am (= an dem) Himmel.
Der Papst besucht Polen.
(Es gibt nur einen lebenden Papst, der Länder besuchen kann).

Relative Einmaligkeit:

Weit häufiger kommt relative Einmaligkeit vor. Sie ist ebenfalls durch den bestimmten Artikel gekennzeichnet. In den Sätzen

Die Apotheke ist neben der Kirche.
Wo ist der Bahnhof?

sind die Apotheke, die Kirche und der Bahnhof des betreffenden Ortes gemeint, in dem es wahrscheinlich nur eine Apotheke, eine Kirche und einen Bahnhof gibt.

Der Satz

Stell die Vase auf den Tisch!

wird in einer Umgebung geäußert, in der im Sprechmoment nur eine Vase und nur ein Tisch vorhanden sind.


Bestimmung durch Kontext (Satzzusammenhang)

Ein Nomen kann auch durch den Kontext, in dem es steht, bestimmt sein.

Bestimmung durch Vorerwähnung:

Der bestimmte Artikel steht bei einem Nomen, das im Text vorher eingeführt wurde. Es gilt deshalb nicht mehr als neu und unbestimmt, sondern als bekannt und bestimmt:

Ein Wagen hält an. [...] Der Wagen fährt wieder weg.
Dort stand ein Tisch. Auf
dem Tisch lag eine Zeitung. Die Zeitung war zerknittert.
Er hatte Milch gekauft. [...]
Die Milch war sauer.

(Vergleiche: Unbestimmter Artikel, Erstmalige Erwähnung im Kontext)

Vorerwähnung kann ein Nomen auch indirekt (implizit) bestimmen:

Dort ist ein Restaurant. Wo ist der Eingang?
Ein Wagen hält an.
Der Motor läuft noch.

Bestimmung durch ein Attribut:

Der bestimmte Artikel steht bei einem Nomen, wenn es durch ein Attribut eindeutig bestimmt wird. Zum Beispiel:

Relativsatz:
Der Mann, den ich gestern kennen gelernt habe, kommt auch aus Köln.
Die Milch, die er im Kühlschrank fand, war sauer.

Genitivattribut:
Die Tochter meiner Schwester geht jetzt in den Kindergarten.
Dort rennt
der Hund unserer Nachbarn.

Superlativ u.  Ä.
Der bestimmte Artikel steht bei einem Nomen, das durch einen Superlativ (u. Ä.) als einmalig charakterisiert wird:

Das ist das beste Restaurant in der ganzen Stadt.
Das ist
die einzige praktikable Lösung.

Bestimmung durch Betonung:

Mit dem betonten bestimmten Artikel kann einem Nomen der Charakter der Einmaligkeit gegeben werden:

Sie ist der Star dieser Saison.
Ihr Auftreten war
das Ereignis.



Bestimmung durch Vorinformation

Die Bestimmung durch Vorinformation ist der Bestimmung durch Vorerwähnung sehr ähnlich. Bei der Vorerwähnung erfolgt die Bestimmung im Kontext. Bei der Bestimmung durch Vorinformation wird vorausgesetzt, dass Sprecher und Hörer über die gleiche Information verfügen, ohne dass sie im Kontext erwähnt wurde.

Hat Johann die Prüfung bestanden?

Hier wird vorausgesetzt, dass Sprecher und Hörer wissen, dass Johann eine Prüfung absolvieren musste.


Bestimmung durch Generalisierung

Der bestimmte Artikel kann verwendet werden, wenn ein Nomen stellvertretend für eine ganze Klasse steht:

Die Tulpe ist ein Zwiebelpflanze.
Ohne Sorgerechtserklärung ist
die unverheiratete Mutter alleine sorgeberechtigt.

In diesen Fällen kann auch der unbestimmte Artikel oder der Plural ohne Artikel stehen

Eine Tulpe ist eine Zwiebelpflanze.
Tulpen sind Zwiebelpflanzen.

In anderen Fällen ist dieser Ersatz des bestimmten Artikels nicht oder nur z.T. möglich:

Edison erfand die Glühbirne.
Der Sibirische Tiger ist vom Aussterben bedroht.

Trennbare Verben




Trennbare Verben gehören der gleichen Flexionsklasse an wie das Verb, von dem sie abgeleitet sind.

Stehen trennbare Verben in einem Hauptsatz, wird in den finiten Verbformen (= nach Person, Numerus, Tempus und Modus bestimmte Verbformen) das Präfix abgetrennt und hinter das Verb an den Schluss des Satzes gestellt.

weggehen Ich gehe erst morgen weg
zurücklassen  Lässt er sein Gepäck im Hotel zurück?
hierbleiben Bleibt bitte hier!

Beim Partizip Perfekt wird das Flexionspräfix ge- zwischen Halbpräfix und Verb gestellt. Beim mit zu erweiterten Infinitiv wird das zu ebenfalls zwischen das Halbpräfix und das Verb gestellt.

Infinitiv Partizip Perfekt zu+Infinitiv
weggehen weggegangen wegzugehen
zurücklassen  zurückgelassen   zurückzulassen
hierbleiben hiergeblieben hierzubleiben

Siehe auch Partizip ohne ge

In der Regel erkennt man trennbare Verben daran, dass die Betonung nicht auf dem Verbstamm, sondern auf dem Präfix liegt.

trennbar:
nicht trennbar:
wéggehen Ich gehe weg
begéhen Ich begehe
lóslassen Ich lasse los
überlássen Ich überlasse
únterstellen  Ich stelle...unter     unterstéllen  Ich unterstelle
Alle trennbaren Verben

Untrennbare Verben mit „getrennten“ Formen

Einige Verben, deren finite Formen immer untrennbar sind, haben im Partizip Perfekt und/oder beim mit zu erweiterten Infinitiv „getrennten“ Formen: ge resp. zu steht innerhalb der Wortform. Zum Beispiel:

Infinitiv Finite Verbform   Partizip Perfekt    zu+Infinitiv
doppelklicken er doppelklickt doppelgeklickt doppelzuklicken
missverstehen   er missversteht missverstanden misszuverstehen
notschlachten er notschlachtet   notgeschlachtet notzuschlachten

Viele Verben dieser Art werden hauptsächlich im Infinitiv und im Partizip verwendet.

Flexionstabellen der finiten Verbformen (& Partizip Perfekt)

Beispiele:


weggehen einpacken
Hauptsatzformen Hauptsatzformen
Nebensatzformen   Nebensatzformen

Übersicht Nebensätze




Nach ihrer Funktion im Satz (und ihrer Form) können die Nebensätze wie folgt eingeteilt werden:

Subjektsatz dass-Satz Dass ihr hier seid, freut uns sehr.
ob-Satz Ob ich den Schlüssel wiederfinde, ist fraglich.
w-Satz Wann wir ankommen werden, ist ungewiss.
Infinitivkonstruktion Ihr zu verzeihen, fiel ihm schwer.
Uneingeleitet Es ist besser, du kommst noch einmal zurück.


Objektsatz dass-Satz Wir verstehen, dass ihr uns nicht begleiten könnt.
ob-Satz Sie wissen nicht, ob sie auch eingeladen sind.
w-Satz Ich wundere mich, warum du erst so spät kommst.
Infinitivkonstruktion Wir bedauern, sie enttäuschen zu müssen.
Uneingeleitet Er sagt, er habe keine Zeit.
wie-Satz Sie fühlte, wie ihre Kräfte nachließen.
Akkusativ mit Infinitiv Er hörte ihn die Treppe hinaufkommen.


Adverbialsatz  Temporalsatz Das Haus ist abgebrannt, während sie im Kino waren.
Lokalsatz Bleib, wo du bist!
Modalsatz Er hat sie gekränkt, indem er sie einfach negierte.
Begründungssatz Sie spielen im Haus, weil es regnet.
Bedingungssatz Du wirst bald wieder gesund sein, wenn du gut für dich sorgst.
Einräumungssatz Er ging schwimmen, obwohl er eine leichte Grippe hatte.
Folgesatz Er hatte die Grippe, sodass er das Treffen absagen musste.
Zwecksatz Ich schreibe alles auf, damit ich es nicht vergesse.
Adversativsatz Heute scheint die Sonne, während es gestern geregnet hat.
Partizipialkonstruktion  In Paris angekommen, suchten wir ein Hotel.


Attributsatz Relativsatz Das Haus, das dort drüben steht, gehört meinem Onkel.
Partizipialkonstruktion  Der Schauspieler, in Deutschland geboren, wurde in Amerika ein Star. 


Prädikativsatz  Diese Wohnung ist, was ich schon immer suchte.


Weiterführender Nebensatz Er hat uns eingeladen, was uns sehr freut.

Der Temporalsatz





Beispiele:

Ihr Hamster ist gestorben, als sie in den Ferien waren.
Wir warten hier,
bis es aufhört zu regnen.

Form:

Ein Temporalsatz ist ein eingeleiteter Nebensatz. Einleitewort ist eine temporale Konjunktion.

Bedeutung:

Temporalsätze sind Adverbialsätze, die angeben, wann sich das Geschehen im Hauptsatz vollzieht. Dabei kann zwischen Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit unterschieden werden.

Gleichzeitigkeit  während, indem, indes, indessen
solange
seit, seitdem
wenn, sobald, sowie
als, wie
wenn, sooft
Vorzeitigkeit nachdem, wenn
nachdem, als
sobald, sowie
kaum dass, kaum
wenn
seit, seitdem
Nachzeitigkeit bevor, ehe
bis

bevor/ehe... nicht
bis...nicht

Zur Wahl der Zeitformen (Tempora) in Haupt- und Nebensatz, siehe:

Die Folge der Zeiten (Consecutio Temporum)


Gleichzeitigkeit

Das Geschehen im Hauptsatz und im Nebensatz verläuft gleichzeitig. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:

Gleiche Zeitdauer: während, (indem, indes, indessen)
Das Geschehen im Nebensatz gibt den Zeitrahmen an, innerhalb dessen das Geschehen im Hauptsatz verläuft:

Während die Eltern in den Ferien sind, bleiben die Kinder bei den Großeltern.
Das Haus ist abgebrannt,
während sie im Kino waren.

Die eher resp. nur im gehobenen Sprachgebrauch üblichen Konjunktionen indem, indessen und indes haben die gleiche Bedeutung.

Korrelat: ungebräuchlich

Gleiche Zeitdauer, gleicher (Anfangs- und) Endpunkt: solange
Das Geschehen im Nebensatz verläuft in der gleichen Zeitdauer wie das Geschehen im Hauptsatz. Dabei wird angegeben, dass der Anfangs- und vor allem der Endpunkt gleich sind:

Solange die Kinder klein sind, sollten sie keine Gewaltfilme sehen.
Du kannst bleiben,
solange du willst.

Korrelat: fakultativ solange
Du kannst (solange) bleiben, solange du willst.

Gleiche Zeitdauer, gleicher Anfangspunkt: seit, seitdem
Das Geschehen im Nebensatz verläuft in der gleichen Zeitdauer wie das Geschehen im Hauptsatz, wobei beide Geschehen den gleichen Anfangspunkt haben:

Er ist viel ausgeglichener, seit/seitdem er nicht mehr trinkt.
Seit/seitdem wir in der Stadt wohnen, gehen wir oft ins Kino.

Korrelat: fakultativ seitdem:
Seit/seitdem wir in der Stadt wohnen, (seitdem) gehen wir oft ins Kino.

Gleicher Zeitpunkt, Gegenwart und Zukunft: wenn, sobald, sowie
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen zum gleichen Zeitpunkt in der Gegenwart oder der Zukunft:

Wir werden euch besuchen, wenn die Ferien zu Ende sind.
Wenn du fertig bist, darfst du gehen.

Korrelat: fakultativ dann
Wir werden euch (dann) besuchen, wenn die Ferien zu Ende sind.

Die Konjunktionen sobald und sowie können ebenfalls wie wenn verwendet werden:

Wir werden euch besuchen, sobald/sowie die Ferien zu Ende sind.
Sobald/sowie du fertig bist, darfst du gehen.

Gleicher Zeitpunkt, Vergangenheit: als (wie)
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen zum gleichen Zeitpunkt in der Vergangenheit:

Wir besuchten euch, als ihr in den Ferien wart.
Als ich das Haus betrat, hörte ich einen Schuss.

Korrelat: fakultativ damals, wenn Nebensatz nachgestellt; fakultativ da, wenn Nebensatz vorangestellt:
Wir besuchten euch (damals), als ihr in den Ferien wart.
Als ich das Haus betrat, (da) hörte ich einen Schuss.

In Verbindung mit dem Präsens (historisches Präsens) kann neben als auch wie verwendet werden:
Als ich das Haus betrete, (da) höre ich einen Schuss.
Wie ich das Haus betrete, (da) höre ich einen Schuss.

(Sonst gilt die Verwendung von wie hier als umgangssprachlich:
Wie ich das Haus betrat, hörte ich einen Schuss.)

Gleiche Zeit, wiederholt: sooft, wenn
Das Geschehen im Hauptsatz und das Geschehen im Nebensatz verlaufen gleichzeitig und wiederholt:

Ich besuche meine Großmutter, sooft ich in Leipzig bin.
Wenn er seine kleine Nichte sah, freute er sich.

Korrelat: fakultativ (dann) immer, (dann) jedes Mal:
Ich besuche meine Großmutter (jedes Mal/immer), sooft ich in Leipzig bin.
Wenn er seine kleine Nichte sah, (dann) freute er sich (jedes Mal/immer).


Vorzeitigkeit

Das Geschehen im Nebensatz verläuft zeitlich vor dem Geschehen im Hauptsatz. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:

vorzeitiges Geschehen in der Gegenwart oder Zukunft: nachdem, wenn
Das Geschehen im Nebensatz ist in der Gegenwart oder der Zukunft und verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz:

Nachdem/wenn wir die Arbeit erledigt haben, gehen wir nach Hause.
Sie dürfen erst draußen spielen,
nachdem/wenn sie die Hausaufgaben gemacht haben.

Korrelat bei nachdem: ungebräuchlich

Korrelat bei wenn: fakultativ dann:
Sie dürfen erst (dann) draußen spielen, wenn sie die Hausaufgaben gemacht haben.

vorzeitiges Geschehen in der Vergangenheit: nachdem, als
Das Geschehen im Nebensatz ist in der Vergangenheit und verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz:

Nachdem/als wir die Arbeit erledigt hatten, gingen wir nach Hause.
Sie durften erst draußen spielen,
nachdem/als sie die Hausaufgaben gemacht hatten.

Korrelat bei nachdem: ungebräuchlich

Korrelat bei als: fakultativ dann, wenn Nebensatz nachgestellt; fakultativ da, wenn Nebensatz vorangestellt:
Sie durften erst (dann) draußen spielen, als sie die Hausaufgaben gemacht hatten.
Als sie die Hausaufgaben gemacht hatten, (da) durften sie draußen spielen.

unmittelbare Abfolge: sobald, sowie
Das Geschehen im Nebensatz verläuft unmittelbar vor dem Geschehen des Hauptsatzes:

Sobald/sowie er die Arbeit fertiggestellt hatte, ging er nach Hause.
Wir werden euch besuchen,
sobald/sowie wir in Linz angekommen sind.

Korrelat: fakultativ da oder dann, wenn Nebensatz vorangestellt, unüblich, wenn Nebensatz nachgestellt.
Sobald/sowie er die Arbeit fertiggestellt hatte, (da) ging er nach Hause.
Sobald/sowie wir in Linz angekommen sind, (dann) werden wir euch besuchen.

unmittelbare Abfolge: kaum dass, kaum
Das Geschehen im Nebensatz verläuft unmittelbar vor dem Geschehen des Hauptsatzes. Die Konjunktionalfügung kaum dass kann durch ein Komma getrennt werden:

Kaum(,) dass die zweite Halbzeit begonnen hatte, erzielte sie das 2:1.
Kaum(,) dass das Essen auf dem Tisch steht, stürzt er sich auf den Teller.

Korrelat: fakultativ da oder so:

Kaum(,) dass die zweite Halbzeit begonnen hatte, (da) erzielte sie das 2:1.
Kaum(,) dass das Essen auf dem Tisch steht, (so) stürzt er sich auf den Teller.

Heute häufiger nur das Adverb kaum ohne dass. Der Temporalsatz hat dann die Wortstellung eines Hautpsatzes:

Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, (da) erzielte sie das 2:1.
Kaum steht das Essen auf dem Tisch, (so) stürzt er sich auf den Teller.

wiederholtes vorzeitiges Geschehen: wenn
Das Geschehen im Nebensatz verläuft vor dem Geschehen im Hauptsatz. Beide Geschehen sind mehrfach wiederholt:

Wenn wir die Arbeit beendet hatten, gingen wir in die Kneipe.
Er ist betrunken,
wenn er in der Kneipe gewesen ist.

Korrelat: fakultativ (dann) immer, (dann) jedes Mal:
Wenn wir die Arbeit beendet hatten, (dann) gingen wir (immer/jedes Mal) in die Kneipe.
Er ist
(immer/jedes Mal) betrunken, wenn er in der Kneipe gewesen ist.

vorzeitiges Geschehen als Anfangspunkt einer Zeitdauer: seit, seitdem
Das Geschehen im Nebensatz markiert den Anfangspunkt des andauernden Geschehens im Hauptsatz.

Seit/seitdem sie ihre Tochter verloren haben, leben sie sehr zurückgezogen.
Sie gingen häufig ins Kino,
seit/seitdem sie in die Stadt gezogen waren.

Korrelat: fakultativ seitdem:
Seit/seitdem sie ihre Tochter verloren haben, (seitdem) leben sie sehr zurückgezogen.


Nachzeitigkeit

Das Geschehen im Nebensatz verläuft zeitlich nach dem Geschehen im Hauptsatz. Dabei können verschiedene Fälle unterschieden werden:


Abfolge von Geschehen: bevor, ehe
Das Geschehen Nebensatzes geht dem Geschehen des Hauptsatzes voraus:

Lesen Sie die Gebrauchsanweisung, bevor/ehe Sie das Gerät benutzen.
Bevor/ehe es den Menschen gab, war die Natur im Gleichgewicht.

Korrelat: ungebräuchlich

Geschehen als Endpunkt einer Zeitdauer: bis
Das Geschehen im Nebensatz markiert den Endpunkt eines andauernden Geschehens im Hauptsatz:

Du musst warten, bis die Farbe trocken ist.
Bis der Krieg anfing, war seine Kindheit glücklich.

Korrelat: fakultativ solange:
Du musst (solange) warten, bis die Farbe trocken ist.

verneint mit konditionaler Bedeutung: bevor, ehe, bis (nicht)
Verneinte Satzgefüge mit bevor und ehe haben oft eine konditionale Bedeutung. Der Nebensatz gibt eine Bedingung an, die erfüllt sein muss. Dabei muss der Hauptsatz verneint sein. Der Nebensatz kann ohne Bedeutungsunterschied mit oder ohne nicht stehen:

Ich bezahle nichts, bevor ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte.
Bevor ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte, bezahle ich nicht.
Ehe ich (nicht) mit allen Parteien gesprochen habe, treffe ich keine Entscheidungen.

Bei verneintem Hauptsatz kann auch ein Temporalsatz mit bis eine Bedingung ausdrücken. Auch hier kann der Nebensatz ohne Bedeutungsunterschied mit oder ohne nicht stehen:

Ich bezahle nicht, bis ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte.
Bis ich (nicht) eine detaillierte Abrechnung erhalte, bezahle ich nicht.

Die Verwendung dieses nicht im Nebensatz wird von einigen als umgangssprachlich oder falsch angesehen. Sie erklärt sich aus der speziellen konditionalen Bedeutung solange nicht, wenn nicht dieser Konjunktionen und sollte wenigsten toleriert werden. In einigen Fällen kann das nicht nämlich kaum weggelassen werden, ohne dass ein zumindest ungewöhnlich klingender Satz entsteht:

Du erhältst kein Geld, bevor/ehe du nicht sagst, was du damit machen willst.
Du erhältst kein Geld,
bevor/ehe du sagst, was du damit machen willst. ???

Der Relativsatz




Beispiele:

Der Dichter, der in Deutschland wohnte, war vor allem in Frankreich bekannt.
Das Haus,
das dort drüben steht, gehört meinem Onkel.
Ich finde den Witz,
über den ihr lacht, gar nicht lustig.
Das ist alles, worum ich euch bitte.
Sie lebt in Freiburg,
wo sie auch studiert hat.

Form:

Ein Relativsatz ist eingeleiteter Nebensatz. Einleitewort ist ein Relativpronomen oder ein Relativadverb (wo, wohin, woher u. a.). Vor dem Einleitewort kann eine Präposition (aber kein anderes Wort) stehen:

Das ist der Witz, der mir am besten gefällt.
Ich kannte den Witz,
den ihr erzählt habt.
Ich finde den Witz,
über den ihr lacht, gar nicht lustig.

Bedeutung/Funktion:

Die Verbindung zwischen einem Hauptsatz und einem Relativsatz hat keine eigentliche Bedeutung. Relativsätze sind Attributsätze, das heißt Nebensätze, die sich auf ein Nomen (oder seltener ein Pronomen) im Hauptsatz beziehen und dieses näher bestimmen:

a) Restriktive Relativsätze sind für das Verständnis des Satzes wichtig. Sie bestimmen, welches Bezugswort genau gemeint ist:

Kennst du den Mann, der uns besucht hat?

b) Appositive Relativsätze (nicht restriktive Relativsätze) haben nur eine erläuternde, illustrative Funktion. Es ist auch ohne sie deutlich, welches Bezugswort genau gemeint ist:

Herr Müller, der uns übrigens gestern noch besucht hat, hat heute geheiratet.

c) Ausnahme: weiterführende Relativsätze. Keine Attributsätze sind die weiterführenden Relativsätze, die sich nicht auf ein einzelnes Wort, sondern auf den ganzen übergeordneten Satz beziehen:

Er hat uns gestern besucht, was uns sehr erstaunte.

Weitere Besonderheiten:

Einleitewort, Wahl und Form
Stellung des Relativsatzes im Satzgefüge
Weiterführende Relativsätze

Reflexivpronomen




Das Reflexivpronomen bezieht sich „zurück“ auf das Subjekt des Satzes. Das mit einem Reflexivpronomen Bezeichnete ist identisch mit dem Subjekt.

Bei den „echten“ reflexiven Verben ist das Reflexivpronomen eine nicht weglassbare aber meist bedeutungslose Ergänzung des Verbs (Er schämt sich). Bei den reflexiv verwendeten Verben gibt das Reflexivpronomen an, dass das Objekt des Satzes mit dem Subjekt des Satzes identisch ist (Er wäscht sich).

Formen (Flexion)   
Funktion
Bezug
Verwendung als Reziprokpronomen 


Formen (Flexion)

Bei den Formen des Reflexivpronomens unterscheiden wir nach Person, Numerus und Kasus. Das eigentliche Reflexivpronomen sich gibt es nur im Akkusativ und Dativ der dritten Person. In der 1. und 2. Person sowie im Genitiv der 3. Person stimmen die Formen mit den Formen des Personalpronomens überein. Die Reflexivpronomen stehen nicht im Nominativ.

Singular
Plural
1. Person 2. Person
3. Person
1. Person 2. Person 3. Person
Maskulin Feminin Neutrum
Nominativ 
-
-
-
-
-
-
-
-
Akkusativ mich dich sich sich sich uns euch sich
Dativ mir dir sich sich sich uns euch sich
Genitiv meiner deiner seiner ihrer seiner unser euer ihrer

Beispiele:

Ich schäme mich sehr.
Er hat
sich verletzt.
Du solltest
dir nicht so viele Sorgen machen.
Sie hat
sich diese Kenntnisse schnell angeeignet.
Sie war
sich ihrer (selbst) sehr sicher.
Ihr seid
euer (selbst) nicht mehr mächtig.
Das haben wir immer bei
uns.
Er/sie/es denkt nur an
sich.

Der Kasus richtet sich nach der Rolle des Pronomens im Satz. Reflexivpronomen können die Rolle aller Arten von Objekten übernehmen:
  • Akkusativobjekt:
    Ich wasche mich.
    Du hast
    dich verletzt.

  • Dativobjekt:
    Ich kaufe mir einen DVD-Spieler.
    Er gönnt
    sich eine Pause.

  • Präpositionalobjekt:
    Achtet gut auf euch!
    Sie adressieren den Brief an
    sich.

  • Genitivobjekt (gehoben, selten):
    Damit spotten sie ihrer.
Numerus und Person richten sich nach Numerus und Person des Subjekts. Sie sind identisch:

Ich schäme mich.
Du schämst dich.
Er schämt sich.
Sie schämt sich.
usw.

Siehe auch Flexion der reflexiven Verben.


Funktion

Bei den „echten“ reflexiven Verben ist das Reflexivpronomen eine nicht weglassbare aber meist bedeutungslose Ergänzung des Verbs (Er schämt sich).

Bei den reflexiv verwendeten Verben gibt das Reflexivpronomen an, dass das Objekt des Satzes mit dem Subjekt des Satzes identisch ist (Er wäscht sich). Wenn das Objekt mit dem Subjekt identisch ist, ist die Verwendung der Reflexivpronomen obligatorisch.


Der Mann wäscht sich.
Nicht:  Der Mann wäscht den Mann.
Nicht:  Der Mann wäscht ihn.

(Diese beiden Sätze sind nur dann korrekt, wenn den Mann resp. ihn nicht identisch ist mit der Mann; also zum Beispiel: Der Mann wäscht den Wagen - Der Mann wäscht ihn).

Sonst haben die Reflexivpronomen im Satz grundsätzlich die gleiche Funktion wie die Personalpronomen. Sie beziehen sich auf den Sprecher (1. Person), den Angesprochenen (2. Person) oder den oder das Besprochene (3. Person). Siehe Funktion der Personalpronomen). Sie werden oft als eine besondere Art Personalpronomen bezeichnet.

Im Satz können sie Akkusativobjekt, Dativobjekt, Genitivobjekt oder Präpositionalobjekt sein. Beispiele siehe oben.


Bezug

Im Allgemeinen bezieht sich das Reflexivpronomen auf das Subjekt des Satzes. Subjekt und Objekt sind identisch. In einigen Fällen wird von dieser „Grundregel“ abgewichen:

Bei erweiterten Infinitiven und Partizipien
Bezug auf possessives Attribut
Bezug auf Akkusativ- oder Dativobjekt

Reflexivpronomen bei erweiterten Infinitiven und erweiterten Partizipien

Im Allgemeinen bezieht sich das Reflexivpronomen auf das Subjekt des Satzes. Subjekt und Objekt sind identisch. Bei erweiterten Infinitiven und erweiterten Partizipien wird von dieser Grundregel (scheinbar) abgewichen.

Erweiterte Infinitive (Infinitivkonstruktionen) und erweiterte Partizipien (Partizipgruppen) können zu einem Hauptsatz umgeformt werden. Bei erweitertene Infinitiven und Partizipien wählt man das gleiche Reflexivpronomen wie im Hauptsatz, in den sie umgeformt werden können.

Satz mit erweitertem Partizip
Satz mit erweitertem Infinitiv
zu Hauptsatz umgeformter Teilsatz
Er hütet das sich ärgernde Kind.
Er bittet das Kind, sich nicht zu ärgern.
Das Kind ärgert sich (nicht).
Er hütet das ihn ärgernde Kind
Er bittet das Kind, ihn nicht zu ärgern.
Das Kind ärgert ihn (nicht).

Das hat zur Folge, dass bei erweiterten Infinitiven und Partizipien das Reflexivpronomen sich nicht auf das Subjekt des Satzes, sondern auf das zum Infinitiv oder Partizip gehörende Subjekt bezieht. Wenn das Pronomen sich auf das Subjekt des Gesamtsatzes bezieht und dieses nicht mit dem zum Infinitiv oder Partizip gehörenden Subjekt identisch ist, muss ein Personalpronomen gewählt werden.

Im Allgemeinen gilt für die Verwendung von Reflexivpronomen bei erweiterten Infinitiven und Partizipien:

Verben, die einen Akkusativ mit Infinitiv fordern (sehen, hören, fühlen, lassen usw.)
Das Reflexivpronomen bezieht sich auf das Subjekt des Infinitivs:

Ich höre ihn sich duschen. Er duscht sich.
Er lässt die Kinder sich ankleiden. Die Kinder kleiden sich an.

Das Personalpronomen hingegen kann sich auf das Subjekt des Gesamtsatzes beziehen:

Sie sah ihren Mann ihr zuwinken. Ihr Mann winkte ihr zu.
Er hörte das Publikum ihn auslachen. Das Publikum lachte ihn aus.

Ausnahme: Dies gilt nicht für das Reflexivpronomen nach einer Präposition. Es kann sich sowohl auf das Subjekt des Gesamtsatzes als auch auf das Subjekt des Infinitivs beziehen. Welche Beziehung gilt, bestimmt der Satzzusammenhang:

Sie ließ ihn auf sich warten Er wartete auf sie.
(Unwahrscheinlich: Er wartet auf sich)
Er hörte das Publikum über sich lachen. Das Publikum lachte über sich.
Das Publikum lachte über ihn.

Bei Undeutlichkeit wählt man am besten eine Umschreibung statt der Infinitivkonstruktion:

Er hörte, wie das Publikum über ihn lachte.

Erweiterte Infinitive
Das Reflexivpronomen bezieht sich auf das Subjekt des Infinitivs:

Er bat sie, sich nicht zu ärgern. Sie ärgert sich nicht.
Sie verbietet dem Kind, sich zu kratzen. Das Kind kratzt sich.

Das Personalpronomen kann sich auf das Subjekt des Gesamtsatzes beziehen:

Er bat sie, ihn nicht mehr zu ärgern. Sie ärgert ihn nicht mehr.
Sie verbietet dem Kind, sie zu kratzen. Das Kind kratzt sie.

Erweiterte Partizipien
Das Reflexivpronomen bezieht sich auf das zum Partizip gehörende Subjekt:

Er heitert das sich langweilende Publikum auf. Das Publikum langweilt sich.

Das Personalpronomen kann sich auf das Subjekt des Gesamtsatzes beziehen:

Er bricht das ihn langweilende Gespräch ab. Das Gespräch langweilt ihn.

Reflexivpronomen bei possessiven Attributen

Innerhalb einer Nomengruppe kann sich das Reflexivpronomen auch auf ein Genitivattribut oder eine Ersatzform (von + Nomengruppe, Possessivpronomen) beziehen:

Eduard Meisters Ärger über sich selbst war groß.
Der Ärger von Eduard Meister über sich selbst war groß.  
Sein Ärger über sich selbst war groß.

Reflexivpronomen mit Bezug auf ein Akkusativ- oder Dativobjekt

Selten bezieht das Reflexivpronomen sich auf einen Akkusativ oder einen Dativ:

Wir können die Gäste nicht sich selbst überlassen. (Siehe auch oben)
Die Therapeutin verhalf ihm zu sich selbst zurück.


Reflexivpronomen als Reziprokpronomen

Die Reflexivpronomen des Plurals werden auch als Reziprokpronomen verwendet:


Wir gaben uns die Hand.  =  Wir gaben einander die Hand.
Ihr habt euch gestern getroffen.  =  Ihr habt einander gestern getroffen.
Sie begrüßten sich höflich.  =  Sie begrüßten einander höflich.
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